Besucher seit Januar 2005: 832853
Liebe Paten, Unterstützer und Freunde, liebe Mitglieder der Little Smile Familie

Es ist so weit! Wieder geht ein Jahr im ohrenbetäubenden Lärm selbstproduzierter Knaller dem Ende entgegen. Heute am Palmsonntag ist hier in Sri Lanka der letzte Tag des Jahres 2546. Glaube ich wenigstens, denn, obwohl hier ja jede Menge Radau ist, bisher konnte mir NIEMAND sagen, welches Jahr eigentlich zu Ende geht. Warum wundert mich das eigentlich nicht mehr? Also good bye 2546 (ohne Garantie)!
Kann ja nicht gerade behaupten, dass dieses Jahr für Little Smile langweilig war. Es ging mächtig rauf und runter, dabei aber immer auch wieder ein Stück vorwärts.

Unsere Little Smile Familie ist gewachsen, 64 Kinder haben, wo noch vor 4 Jahren nur Bergurwald war, eine Heimat gefunden von der 2jaherigen Niroschani bis zur 16jahrigen Jeewani. Wir konnten die Nähschule und das Büro- einweihen, haben große Anstrengungen unternommen im Bereich Heilpflanzenanbau und Medizinherstellung. Lucian Asanka, verantwortlich für den Bereich Erziehung, hat am 4. Januar geheiratet und seine Frau Dilka ist zu einem guten Geist gerade auch für unsere Jüngsten geworden. Edna, noch eine Damajanti und Karuna haben das Erzieherinnenteam verstärkt, während uns Chitra am 1. April leider auf eigenen Wunsch verlassen hat. Damit ist nur noch Indrani aus der Gründerzeit hier.
Mr. Osman hat die Buchführung von Mr. William übernommen, der uns als Englischlehrer der alten Schule erhalten bleiben wird.

Willkommen 2547!
Das Jahr hat genau um 12: 15 Uhr begonnen und ich kann nach einer fast schlaflosen Nacht, in der all unsere Nachbarn offensichtlich nichts Besseres zu tun hatten als Knaller anzuzünden, nur hoffen, dass da alles Pulver verschossen ist und alle bösen Geister vertrieben sind. Es ist jetzt 16 Uhr, die meisten der Zeremonien sind vorüber, besser, wir haben sie mit Erfolg gemeistert.
Viele Vorschriften mussten wir am ersten Tag des Jahres beachten und es sind auch sehr schöne Traditionen dabei. So haben wir gemeinsam am frühen Morgen alles noch einmal sauber gemacht, waren zusammen beim Tempel, genau zur festgelegten Zeit um 8:30 Uhr. Wir sind da eine ganze Weile geblieben. Genau zum Jahreswechsel, der ja in jedem Jahr zu einer anderen Zeit stattfindet abhängig von der Konstellation der Sterne, wurde das Feuer im Herd entzündet, eine Gemeinschaftsleistung der drei ältesten Erzieherinnen. Überhaupt haben diese Frauen nicht Urlaub genommen und haben diesen Tag gemeistert, ganz ohne Hilfe der Küchenfrauen. Ansonsten waren neben 33 Kindern, den beiden Frauen, die hier mit ihren Kindern Zuflucht gefunden haben, Kumuduni mit dem völlig verängstigten Lahiru, sowie Bawani mit den Zwillingen Mikel und Robin, noch Lucian und Dilka, sowie aus Deutschland Dominik unser junger Schreiner und meine Kinder Manuel und Sumalee an diesem Tag hier.
Und schon wieder muss ich diesen Brief unterbrechen, da eine große Gruppe von Angestellten kommt um ihre Neujahrswünsche zu überbringen.

Der erste Tage des Jahres ist auch schon wieder Geschichte.
Hatte am gestrigen Abend keine Chance mehr weiterzuschreiben. Nach vielen Arbeitern, teilweise mit Familien und immer mit dem obligaten Geschenk, einer Packung Kekse, sind auch noch die Küchenfrauen gekommen. Für Letztere haben wir dann Tee und das traditionelle Gebaeck aufgetischt. Ein tropischer Wolkenbruch machte den Pflichtbesuch bei Bandulas Familie gar nicht so einfach. Es war übrigens auch mein Antrittsbesuch in Bandulas neuem Zuhause, etwa 400 Meter oberhalb des Kinderdorfes. Bandula hat da wieder einmal unter Beweis gestellt, dass er auch ein guter Koch ist. Leider wurde das nur von Manuel und Dominik auch gewürdigt. Mir macht immer noch ein seltsamer Magen-Darm-Virus zu schaffen.
Wie fast all die vielen Tage seit dem 8. Dezember 2002, ist genau um 7:30 Uhr die Sonne über dem benachbarten Berg geklettert. Samire kehrt vor dem Office und hat mir bereits sein unnachahmliches Lächeln geschenkt.
Was wird dieses Jahr wohl so alles für Little Smile bringen?
Da sind einige Bauvorhaben wie eine große Lagerhalle und ein Haus für die älteren Mädchen. Saradha und Samphat haben die sehr wichtigen und ganz und gar nicht einfachen Abschlussprüfungen nach der 11. Klasse, Lucian muss jetzt ohne ständige Anwesenheit von Bandula beweisen, dass er auch in der Lage ist, das Personal zu führen und zu motivieren. Ganz sicher keine leichte Aufgabe für einen 27jaehrigen, aber etwas, was ich ihm durchaus zutraue.
Mit Gerhard Kuckenburg, Direktor des Hotels Lanka Princess in Beruwela, der im Oktober in Pension und damit zurück nach Europa gehen wird, verlieren wir einen Freund und Förderer hier in Sri Lanka. Wir werden weiter versuchen, wirtschaftlich mehr Selbständigkeit zu erreichen und langsam das neue Land, Little Smile 2, weiterentwickeln.
Die Erfahrung der letzten 5 Jahre in Sri Lanka aber hat mir aber gezeigt, dass es 1001 Dinge geben wird, die auf uns zukommen, Ereignisse, die man weder vorhersehen noch planen kann. Es wird ganz wesentlich darauf ankommen, dass das Team weiter zusammenwächst, dass man miteinander arbeitet, sich annimmt und unterstützt, um gemeinsam die große Aufgabe zu bewältigen, nämlich für mehr als 60 Kinder einen Weg zu finden.

Woher nehme ich eigentlich meinen Optimismus, angesichts all der Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten?
Wir sind aus allen Problemen und Krisen gestärkt hervorgegangen. Mit Shantamalar, den beiden Damajantis, Edna, Darshani und Indrani habe ich 6 Frauen, für die die Arbeit in Little Smile nicht nur ein Job ist, sondern eine große Aufgabe, der sie sich mit großem Engagement und viel Liebe stellen. Ich habe immer wieder Hilfe und Zuspruch erfahren und wir haben hier in den Bergen Sri Lankas immer wieder das Gefühl bekommen, nicht alleine zu sein. So viele Menschen fallen mir ein, Begegnungen, Gespräche, Gesichter, helfende Hände. Menschlichkeit hat viele Namen und es ist ein wunderbares Geschenk, das ich in diesem buddhistischen Jahr 2546 erfahren durfte. Kathrin Pfahler und Anna Steudel haben 5 Monate hier mit uns und für die Kinder gelebt, Maria und Peter Boas haben zum dritten Mal ihren Urlaub hier verbracht, mehr und mehr Menschen finden den Weg in diese kleine Welt des Lächelns.
Gerade sitzt eine weinende Mutter vor mir, voller Angst, Verzweiflung, Ratlosigkeit. Auch sie hat hierher gefunden zu diesem Ort der Hoffnung, der dank so vieler Menschen Wirklichkeit geworden ist und bleiben wird.

Gestern haben sich nach Landessitte viele Menschen vor mir verneigt. Dieses Zeichen des Respekts und der Verehrung möchte ich weitergeben an Sie alle, die Little Smile leben und wachsen lassen und so verneige ich mich vor Ihnen in großer Dankbarkeit. Ganz sicher werden wir hier nie die Menschen vergessen, wie Oma Fuchshuber, die – und das ist meine Überzeugung – über den Tod hinaus, in unserer Little Smile Familie, in jedem Lächeln eines Kindes lebendig bleiben.
In wenigen Tagen ist Ostern und ich werde diesen Tag der Hoffnung auf Auferstehung ganz alleine am Kreuz unter dem mächtigen heiligen Boddhibaum beginnen. Vor einem Jahr hatte ich das große Geschenk, an diesem Tag wertvolle Momente mit meinen Eltern an diesem besonderen Ort zu teilen. Meine Gedanken gehören dort in Dankbarkeit meinen Eltern, die mir durch ihre Liebe den Weg zur Liebe gezeigt haben, meiner Familie in Deutschland, die so oft für diese Aufgabe hier auf mich verzichtet und all den Menschen, die diesen Ort der Menschlichkeit, die diese Hoffnung aus 128 Kinderaugen mittragen.

Aus Little Smile ein schönes Osterfest wünschen von Herzen

Ihr Michael Kreitmeir und das ganze Team
besonders aber die Kinder von Little Smile