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Lernen endet niemals, auf jeden Fall nicht in Little Smile!

Drei Monate war ich schon in Sri Lanka, als ich nach „Little Smile“ kam. Was ich bei meinem Einsatz in einem Bubenheim an der Küste Sri Lankas erlebt hatte?  Einige schöne Momente, aber leider auch viele Situationen, die mich dazu bewegten, ja regelrecht zwangen, dieses Kinderheim zu verlassen.  “Völlig durch den Wind“ und mit vielen offenen Fragen verließ ich mit den anderen vier Praktikanten dieses Heim. Was tun wir nun? Lassen wir unsere Enttäuschung, letztlich unser Scheitern so stehen? Trennen wir uns einfach unverrichteter Dinge? Wie sieht mein weiterer Weg aus? Was geschieht mit meinem Studium? Ist der Abbruch des Praktikums für meinen Dozenten in Ordnung, werde ich trotzdem bestehen? Sollte ich früher abreisen oder versuche ich es noch in einem Kinderheim? Ja, das wäre doch eine Idee!  Einen Vergleich bekommen, einen zweiten Eindruck, Hoffnung, dass es auch anders sein kann als das, was ich bis dahin erlebt hatte! Und dann traf ich bei der Suche im Internet auf „Little Smile“.  Per E-Mail kontaktierte ich Michael Kreitmeir und nachdem ich von meiner Enttäuschung erzählt hatte, lud er mich ein, mir das Kinderdorf „Mahagedara“ bei Koslanda anzuschauen. Mehr noch! Michael Kreitmeir nahm sich Zeit, unterhielt sich mit mir, erzählte mir vom Kinderdorf und war interessiert an dem, was ich bisher erlebt hatte, wie ich die Kultur und die Menschen dieses Landes sah und er bot mir an mich den Rest meiner Zeit in Little Smile zu engagieren.  Auf dem Rückweg zu einem Treffen mit den anderen Expraktikanten fühlte ich mich erleichtert, voller Vorfreude auf die Zeit in „Little Smile“!  Ich freute mich darauf endlich mit Kindern leben und arbeiten zu dürfen, war gespannt auf die neuen Erfahrungen und darauf zu lernen! Und ich fühlte die Aufregung, was mich wohl erwarten würde, welche Aufgaben ich wohl haben werde, ob ich dieses Mal etwas beitragen kann?
Eine Woche später, am 7.Januar 2014 kam ich nach „Little Smile“. Mir wurde schnell klar, dass ich alles, was ich bisher erlebt hatte „über Bord“ werfen kann, dass hier nicht mit Furcht und Strafe, sondern mit Geduld und Liebe gearbeitet wird. Das Lucky-House mit den Mädels zwischen 13 und 15 Jahren sollte für die nächsten sieben Wochen mein Zuhause sein. Für mich war es das erste Mal, dass ich mit Kindern in diesem Alter so intensiv zusammengelebt und gearbeitet habe. Ich konnte nun endlich die Erfahrungen machen, auf die ich gehofft hatte.  Ich lernte wie hart es sein kann mit acht Kindern 24 Stunden zusammenzuleben, dass die Verantwortung für die Kinder nicht mit dem Gute Nacht sagen endet und erst mit dem Frühstück anfängt. Ich lernte, dass es schwierig ist sich bei den Kindern durchzusetzen, wenn man eigentlich keine Ahnung von Werten und Verhaltensweisen in diesem Land hat und in diesem Alter dann auch noch die Pubertät mitmischt. Es war für mich schwierig abzuwägen, welche Normen und Werte ich denn von Deutschland hierher übertragen kann.  Doch die Mädchen und die anderen einheimischen Betreuerinnen halfen mir.  Ich war begeistert, wie viel English die Kinder konnten und dass so richtige Gespräche möglich waren. Teenagergespräche waren es meist, über Zukunft, Kinder kriegen, Jungen und BHs, aber es ging auch um die Schule, um den Wunschberuf, Erlebnisse der Kinder und manches Mal erzählten sie sogar von ihren Familien. Vor allem an den Abenden waren es sehr intensive Gespräche und ich lernte viel über Normen und Werte dieser Mädchen in einer anderen Welt.
Schon die ersten Tage mit den Kindern öffneten mir die Augen und ich erkannte in was für einem Kinderheim ich zuvor eigentlich war, einem Ort wo die Fassade wichtig ist, der Schein vor allem für die Spender und nicht das Wohl der Kinder. Endlich erlebte ich, dass eben nicht alles aussichtslos ist und dass man Charakterzüge und Eigenschaften, sowie Verhaltensweisen nicht einfach als gegeben und nicht änderbar hinnehmen muss, sondern dass man daran arbeitet und für etwas kämpfen kann, auch wenn es oft schwer ist und es Enttäuschungen gibt.

Schon allein die  Stimmungen der Kinderheime unterschieden sich extrem.  Ich hatte das Gefühl in „Little Smile“  ist wirklich jemand da, der sich für die Kinder interessiert und der ihnen eine Zukunft geben möchte, mit allem was auch außerhalb der Schule dazugehört. Da gibt es jemand der Zuneigung gibt und nicht mit dem Rohrstock durch dir Räume läuft. In dem Kindeheim zuvor wurde nicht gefragt, was die Kinder in der Schule erlebt haben, was an diesem Tag für sie Besonders, schön oder auch schwer war. Die Kinder in Little Smile leben, im Gegensatz zu den Kindern im ersten Heim, in dem ich war, frei von Angst und Anspannung mit klaren Regeln und doch mit Freizeit, die sie für sich selbst gestalten können, die so wichtig ist wie das Lernen für die Schule. Ich konnte nun endlich sehen dass es in Sri Lanka nicht die Regel ist, dass Kinder in ständiger Bereitschaft für neue Aufgaben stehen, sondern dass sie auch fröhlich und ausgelassen im Fluss planschen können oder gemeinsam Volleyball spielen. Doch auch in Little Smile haben die Kinder Aufgaben, diese aber sind so verteilt dass sie fordern und nicht überfordern, der Nutzen liegt im Lernprozess für die Kinder und nicht in Vorteilen für die Institution. In Little Smile werden den Kindern zudem wichtige Normen und Werte vermittelt sowie Strategien zur Konfliktlösung und nicht mit Bloßstellung und Strafen die Disziplin aufrechterhalten.

Ich glaube der Wunsch eines jeden, der ins Ausland geht, um dort zu arbeiten ist es Erfahrungen zu sammeln und sich einzubringen. Endlich konnte ich das, ich war nicht nur zum Wäsche waschen da oder als Küchenhilfe.

Anka, der verantwortlichen Pädagogin, beim Entwerfen eines Konzepts für die Ausbildung von Erzieherinnen zu helfen, gab mir ein Gefühl von Zufriedenheit.  So schrieb ich unter der Woche, jeden Morgen an dem möglichen Inhalt für die Unterrichtsstunden und arbeitete heraus, was ich für wichtig hielt. Dies immer im Austausch mit Anka. So entstand bald ein Konzept, das sich mit den Kompetenzen von Erzieherinnen, Erziehungszielen und –stielen, Kompetenzen der Kinder, Kommunikation, Lernen, Arbeiten mit Gruppen, Organisation und verschiedenen Themenfeldern wie Kunst, Musik, Mathematik und vielem mehr beschäftigt. Ich lernte, dass das faszinierende an diesem sozialen Einsatz in Little Smile ist, dass er einen zwingt zu lernen und zu wachsen.

Wie anders es hier in Sri Lanka zugeht erfuhr ich, als ich auf einen Mitarbeiter des Ministeriums in Sri Lanka traf, der hier im Umkreis für 40 Schulen verantwortlich ist.  Er wollte gemeinsam mit Anka diesen Kurs aufbauen und leiten. Sie erzählte mir immer wieder von den Treffen und was er an Wissen mit einbrachte oder was völlig neu für ihn war. Ich war geschockt. Wissen, das für mich selbstverständlich ist, war für ihn, den Hauptverantwortlichen für Lehrer in unserer Provinz, völlig neu.  Stolz erzählte er mir von der neuesten Regel in den Schulen. Lehrer dürfen nun nicht mehr selbst Schüler schlagen, vielmehr hat nur noch der Schulleiter oder eine von ihm ernannte Person das Recht Schüler körperlich zu züchtigen. Wie anders war da doch das Leben, Lehren und Lernen in Little Smile! 

Nach diesen sieben Wochen in Mahagedara habe ich doppelt so viele Erfahrungen gemacht, doppelt so viel gelernt wie in den drei Monaten zuvor. Für mich werde ich mitnehmen, dass Lernen niemals endet, dass man jeden Moment leben sollte und jeden Moment für den Nächsten.

Danke „Little Smile“, ihr habt mir ein Lächeln gegeben und meine Zeit in Sri Lanka sinnvoll gemacht und schön.