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Ich habe versucht was ich konnte, und alles gegeben was ich hatte...

Vor exakt 3 Monaten bin ich in Little Smile gelandet. Heute sitze ich wieder an meinem Schreibtisch in Augsburg.

Ich habe in Little Smile anders gelebt. Besser? Schlechter? Auf jeden Fall war ich glücklich.

Zurückblicken kann ich auf die womöglich lehrreichste Zeit meines bisherigen Lebens.

Ich habe gelernt...

• wie man in Höchstgeschwindigkeit am Morgen absolut perfekte Zöpfe flechtet, sodass selbst kleine Milani mit ihren unglaublich langen Haaren zufrieden ist und beruhigt in die Schule gehen kann.
• dass es möglich ist sich drei Monate lang nahezu ausschließlich von Reis zu ernähren.
• wie man einen Regenschirm als Modeaccessoire trägt.
• wie man eine Indra (Betreuerin im Haus der kleinen Kinder) dazu bringt aufzuhören zu lachen.
• wie man am Ende eines schier unendlich langen kraftraubenden Tages noch Energie finden kann mit der Anusha (war die Kollegin im Luckyhaus) eine Stunde lang House-Diary zu schreiben.
• wie man auf Sri Lanka englisch zu sprechen hat, damit man auch verstanden wird.
• warum es auch als wenig Kirchenbegeisterter Mensch wert ist jeden Sonntag zur Kirche zu laufen.
• dass Geckos überhaupt nichts Besonderes sind.
• wie man ordentlich und diszipliniert arbeitet.
• wie wundervoll es ist am frühen Morgen im Sonnenaufgang mit der kleinen Bawani und der Nadeeka zum Garbage-Place zu laufen um den Abfalleimer auszulehren.
• dass es eine NGO (Nicht-Regierungs- Organisation) in Sri Lanka alles andere als leicht hat.
• wie man einen guten Milchtee zubereitet. (Thank you Bawani Amma – I’m drinking one right now!)
• dass es unvorstellbar ist, wie grausam manche Eltern zu ihren Kindern sein können.
• dass es sich lohnt auch mal um 4 Uhr aufzustehen um in der Küche ein paar Zwiebeln und Chillies zu schneiden.
• dass es leider nahezu unmöglich ist, allen Kindern die benötigte Aufmerksamkeit zu schenken.
• wie man auch eine Krishnaveni (eines der sehr ruhigen und trägen Mädchen im Luckyhaus) dazu bewegt während dem Frühstück ein paar Sätze englisch zu sprechen.
• wie man ohne Klopapier und Waschmaschine klarkommt.
• dass es viel Fauchtraining bedarf, bis eine gewisse Dame namens Saradha das Wort „Buch“ richtig aussprechen kann.
• dass man mit einem großen Gegrinse belohnt wird, wenn man die Laksha jeden Abend mit einem Gute-Nacht-Kuss verabschiedet.


Das alles und noch viel mehr habe ich gelernt - auf allen Ebenen wurden mir neue Dinge beigebracht und mein Horizont ein Stückchen weiter geöffnet. Dafür bin ich unendlich dankbar und demgegenüber erscheint das was ich geben konnte sehr wenig. Ich habe versucht was ich konnte, und alles gegeben was ich hatte. Und wenn nun die Asha ein bisschen mehr Ahnung von Computern hat, die Dilhani ein wenig besser Englisch spricht, die Naleepa nächstes Jahr 8 statt 7 Punkten (von 100 möglichen) in Englisch hat, jemand wegen mir gelacht hat und einen Hauch meiner Liebe gespürt hat, dann bin ich schon zufrieden.
Es gab so viele wunderbare, glückliche Momente zusammen mit den dortigen Menschen, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden:

Die nächtliche Heimfahrt von Galle, mit einer schlafenden Shyamali auf dem Rücksitz, mit den vielen Leuten am Straßenrand die ebenfalls die Abendstimmung genießen, mit dem Herrn Kreitmeir am Steuer, der von sich, der Welt und Little Smile erzählt und mit dem Vollmond am Himmel der alles beobachtet.

Die schönen Gespräche über das schwierige, oft unglückliche Leben in Sri Lanka am Abend mit Indra und Laksha (eine tamilische und eine singhalesische Betreuerin) zu tamilischer Musik im Wisdom-Haus, während der Rest der Mannschaft sich dem Teledrama widmet.

Den Brief, den jemand unter meiner Tür durchschob, um sich für meine Hilfe und Arbeit in Little Smile zu bedanken und sich herausstellte, dass dieser jemand ein kleines Mädchen namens Waruniya war.

Die Tanzproben mit meinen Lucky-Haus Kids zu Michael Jacksons „Beat it“, in denen plötzlich selbst die tanzfaulen anfingen ihre Freude am rumhopsen zu entwickeln.

Die Abende, an denen Herr Kreitmeir kam um im Licht der flackernden Kerze eine weitere „Green-Eyes-Story“ zu erzählen und so die gespannt lauschenden Kinder begeisterte, während die Rangika (eine 13jährige, die sehr viel Nähe braucht) die wie ein Klammeraffe an mir hing.

Die Anusha, als sie mir mit ihrem einmaligen Humor weismachen will, dass ich den Hausschlüssel verloren hätte und das komplette Lucky-Haus mitspielt bis ich’s fast selbst glaube.

Die große Shopping-Tour mit der kleinen starken Asha, die trotz des wenig aufregenden Dorfes Koslanda zum amüsantesten Shopping-Erlebnis meines Lebens wurde und Asha zu einer geliebten Freundin machte.

Die begeisterten Augen der neugierigen, kleinen Krishanti, als sie zum ersten Mal in die Computer-Class kam.

Die Stromausfälle während der Study-Time, in deren Konsequenz sich ein traumhaftes Bild aus 12 kleinen Mädchen ergab, die im Kerzenlicht Bücher lesen und flüstern.

Mein letzter Tag in Sri Lanka, an dem ich mich mit Shiran (Leiter der Farm Dikkapitia und Direktor der Firma Little Smile Organic) nach Kandy aufmachte und er es vermochte diesen für mich so traurigen Tag zu einem unvergesslich schönen werden zu lassen.

Das alles werde ich für immer in meinem Herzen bewahren, dass alles macht mich reicher und glücklicher als zuvor. Jeder Gecko, jedes Kind, jeder Blutegel, jede Matron, jeder Insektenstich, jeder Stein, über den ich gestolpert bin…
Daher mein großer Dank an alles was in Little Smile so rumläuft und in erster Linie ans Herrn Kreitmeir, der diesen einzigartigen, traumhaften Ort voller Wunder und Möglichkeiten für diese Kinder geschaffen hat.

Ihr habt einen bedeutenden Platz in meinem Herzen eingenommen!