Besucher seit Januar 2005: 875655

28.2. Abschied von Little Smile

… Alles Erleben passiert hier mit allen Sinnen gleichzeitig, nicht nur mit den Augen. Die Geräusche sind überall dabei. Der Dschungel um mein Haus bietet Vogelgezwitscher in unvorstellbarer Vielfalt. Die Pfaue schreien, die Frösche quaken, der Fluss plätschert und die Hunde geben beim nächtlichen Rudeltreffen Laute von sich, die mich fast wieder an Werwölfe glauben lassen. Dieser Geruch nach einem kräftigen Regenschauer ist so köstlich. Auf dem Heimweg ins Bett begleitet mich ein Blumenduft, der mir bis dahin fremd war. Viele Gerüche gehören zu den Bildern hier. Der Duft nach Räucherstäbchen oder der Geruch nach frisch gekochtem Reis zum wachwerden.
Das Essen selber wurde für mich um einen Sinn erweitert. Zu Beginn war ich noch schüchtern beim Essen mit der rechten Hand. Vorsichtig habe ich meinen Reis in den Mund geschoben. Ich sitze gegenüber eines kleinen Mädchens, von der ich lernen durfte, mit Fingern zu essen. Sie knetet den Reis so liebevoll mit dem Curry durcheinander. Es ist längst alles perfekt gemischt, aber während sie knetet, steigt die Vorfreude auf den nächsten Bissen, was ihr pausbäckiges Gesicht so schön zeigt. Auch mir macht es immer mehr Freude, mein Essen zu fühlen, ehe ich es in den Mund schiebe. Diese Sinneserfahrungen kann man hier gar nicht wiedergeben!

Little Smile hat mir mehr gegeben, als ich erwarten konnte. Wenn man sich um liebe, süße Kinder kümmert, die am Rande der Gesellschaft stehen, erwartet man ein befriedigendes Gefühl. Little Smile hat bei mir tiefe Hochachtung geweckt, weil es mehr ist als nur ein sich kümmern um Kinder. Die Arbeit ist getragen von tiefen Wertvorstellungen, die nicht nur auf dem Papier existieren, sondern Tag für Tag Einsatz fordern, ohne Feierabend und Wochenende. Die Kinder werden nicht wie in Heimen im Schichtbetrieb betreut, sondern sie haben einen großen Vater, den Lokuthaththa. Der Dokumentarfilmer Michael Kreitmeir übernimmt die Verantwortung wie ein echter Vater. Jeden Morgen verabschiedet er jedes Kind zur Schule und jeden Abend sagt jedes Kind "gute Nacht" ‚ zum großen Vater. Jedes Kind wird wertgeschätzt und mit seinen Fähigkeiten angenommen. Diesem wertschätzenden Menschenbild entsprechend gibt es hier auch keine Trennung zwischen Tamilen und Singhalesen. Morgens und abends beten alle Kinder gemeinsam, Hindus, Buddhisten und Christen. Dieser Frieden ist auch in den Häusern zu spüren. Für mich ist es immer noch unfassbar, aber ich habe in den 4 Wochen keine streitenden oder maulenden Kinder erlebt!

… Das Leben von Little Smile findet in einem Naturparadies statt, das hart erarbeitet wurde und wird. Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen und sich zu kümmern. Jeden Tag fegen sie die Blätter und wässern sie die Pflanzen. ‚To care‘ wird als eine wichtige Regel für das Leben mitgegeben. In der Theorie klingt das einfach, aber in der Praxis bedeutet das einen großen Einsatz von Zeit, Kraft und Geld. Und dieser Einsatz ist nicht wie manche Spendenhilfe punktuell, sondern seit 1999 unermüdlich. Paradiese fallen nicht vom Himmel, aber man kann sie mit Einsatz schaffen.
Eigentlich nehme ich Kalenderweisheiten mit, die jeder kennt. Aber mir sind in meinem Leben vorher noch nie Menschen begegnet, die diese mit so viel Einsatz selbstlos leben und das beeindruckt. Zum Abschied nehme ich mit: das Leben findet heute hier und jetzt statt, wir sind Momentesammler und vorher auch hoffentlich Momentegestalter. 



Den vollständigen Bericht können Sie lesen unter
http://www.allesaufdemweg.de/?p=139