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Phase 76: Juli bis September 2018

Sie hat einfach dazugehört, unsere Schäferhündin „Rocky“. Zuerst im Kinderdorf „Mahagedara“ und dann im Bubenheim „Hill Top“ wich sie Michael Kreitmeir nicht von der Seite. Anfang August, nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren, kam die Nachricht vom Berg: Rocky ist nicht mehr! Ein Abschied für immer der sehr, sehr schwer fällt.
Die Einen nennen es Paradies, für Andere ist es die Hölle. Gegensätze, die krasser nicht sein könnten liegen in Sri Lanka oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Und während sich im Bergort Ella täglich Hunderte von Touristen vergnügen und die wunderbare Szenerie bewundern, herrscht in den kleinen Teedörfern oft Elend und Gewalt. Mit schweren Brandverletzungen, die das Faulen begonnen haben, einem unehelichen Kind, ohne Arbeit und Zukunft. So etwas findet sich in keinem Prospekt und ist doch auch Wirklichkeit, eine, mit der sich Little Smile auseinandersetzt.
Es war einmal ein funktionierendes Gesundheitssystem in Sri Lanka, das Menschen bei Krankheit half, auch wenn sie nichts bezahlen konnten. Das ist vorbei. Schleichend, fast unbemerkt sind die staatlichen Krankenhäuser weitgehend zu Verteilzentren für Billigmedizin verkommen. Massenbehandlung im Minutentakt, monatelange Wartelisten für Operationen, nur wer sich im rasch wachsenden Wirtschaftszweig der privaten Krankenhäuser und Medical Centers Behandlungen leisten kann, hat heute die Chance auf eine rasche und gute medizinische Versorgung. Doch selbst wer, wie dieser Vater, alles Ersparte zusammenkratzt, damit seinem Sohn geholfen wird, endet nicht selten als Bittsteller, hier bei uns im Mainhaus.
Gruppenbild mit sehr vielen Damen! Ende Juli endete der einjährige Nähkurs im Kinderdorf. Unter den strengen Augen staatlicher Prüfer schaffen 12 unserer Auszubildenden und 4 externe Schülerinnen das Diplom. Luxmi (mittlere Reihe, links außen) konnte stolz sein, immerhin trägt sie seit vielen Jahren die Verantwortung für die Nähschule in Little Smile.
Nur eine Betreuerin im Kinderdorf ist kein Eigengewächs, hat also nicht schon als Kind in Little Smile gelebt. Leichter findet man einen wertvollen Edelstein als einen Menschen, der bereit ist, für Kinder in Not da zu sein, rund um die Uhr. Man trägt eine riesige Verantwortung, pubertierende Jugendliche sind nicht gerade einfach und die Gesellschaft alles andere als dankbar, im Gegenteil. Gerade Vertreter der zuständigen Behörde, dem Probation, behandeln Betreuerinnen oft von oben herab, ja sogar beleidigend. In Little Smile kommen sie mit so einem Verhalten allerdings nicht weit, Michael Kreitmeir stellt sich da schützend vor seine Mitarbeiterinnen, ohne deren Einsatz es kein Lächeln für Kinder in Not geben kann.
Am Ende eines arbeitsreichen Lebens voller Entbehrungen können sich viele Witwen nicht einmal regelmäßige Mahlzeiten leisten. Sind die Einmalzahlungen, die Teefirmen am Ende der Erwerbstätigkeit zahlen, erst einmal aufgebraucht, wartet auf die Alten nur Not, Heimatlosigkeit, Hunger und Krankheit. Der Tod kommt da nicht selten als Erlösung. Kein Wunder also, dass mehr und mehr alte Frauen aus den Tamilendörfern im Kinderdorf ihre letzte Chance sehen, die Zahl derer, die regelmäßig hier Hilfe bekommen steigt von Monat zu Monat.
Scheiden tut weh, wir merken das bei jedem Kind, das uns verlässt, weil die Schulzeit zu Ende ist oder sich die Situation der Familie verbessert hat. Der Abschiedsschmerz ist jedoch nicht nur auf unserer Seite, auch den Kindern bzw. Jugendlichen fällt es nicht leicht uns zu verlassen. Wiedersehen freilich macht Freude und für uns ist es eine ganz besondere, dass sich so viele der Ehemaligen wieder hier sehen lassen, so wie Dikshi und Gajanthani. Wenn immer möglich kommen die zwei aus der Provinzhauptstadt Badulla, wo sie sich auf das Abitur in einem Zweig vorbereiten, den die Schulen hier nicht anbieten, zu Besuch in ihr Little Smile und dann ist es schon nach wenigen Minuten fast so, als wären sie nie weg gewesen.
Bei Jagath hat es etwas länger gedauert mit dem Besuch. Er war aber auch viel weiter weg, lebt und arbeitet er doch in Dubai. Als es dann aber ernst wurde mit der Liebe, kam er zurück nach Sri Lanka zum Heiraten und – natürlich hat er seiner Little Smile Familie dann auch seine Frau vorgestellt. Ihr hat er gezeigt, wo er als Kind gelebt hat. Ein Besuch bei Bawani auf Hill Top durfte da nicht fehlen. Dort traf er dann die Spielgefährtin aus Kindertagen, Dhiviya, die zum Wiedersehen ihre kleine Tochter mitgebracht hat.
Aus den Augen bedeutet in Little Smile nicht aus dem Sinn. Das gilt nicht nur für ehemalige Kinder und Betreuerinnen. Und das gilt auch nicht nur wenn man woanders lebt. Verbundenheit reicht bei uns sogar über das Leben hinaus. Wer einmal zu unserer Gemeinschaft gehört der bleibt in ihr lebendig durch unsere Erinnerung, durch Freundschaft und in einigen Fällen auch durch Liebe. Vor fast einem Jahr ist Hermann-Josef Kreitmeir, der Vater von Lokuthaththa, verstorben, wir aber feiern seine Geburtstag am 8. August in Dankbarkeit dafür, dass er so viele Jahre mit uns verbunden war und das immer sein wird, weil durch seinen Sohn Little Smile erst möglich wurde.
Kaum war das Dach auf dem Gästehaus der Farm endlich fertig, wurde es zum Spielplatz der Affen, die sich einen Spaß daraus machten, die Ziegel drei Stockwerke nach unten zu schmeißen, besonders wenn sie unten Menschen entdeckten. Auch Zement half nicht, also blieb uns nichts anderes übrig, als alle Ziegel zu entfernen und das Dach Affensicher zu machen. Bei der Auseinandersetzung um Lebensraum befinden wir uns an der Front. Wilde Tiere wie eben Affen aber auch Elefanten und Wildschweine dringen immer wieder in unsere Farm aber auch ins Kinderdorf ein und zerstören, was wir mühsam aufgebaut haben. 
Im Juli haben wir die beiden Mädchen völlig verwahrlost in einem abgelegenen Winkel einer benachbarten Teeplantage entdeckt. Verbrannt und krank die Eine, missbraucht und völlig verdreckt ohne jemals eine Schule von Innen gesehen zu haben die Andere. Knapp 8 Wochen später haben die jungen Frauen so viel Vertrauen, dass sie immer mal wieder im Kinderdorf auftauchen, das sie auf uns hören, wenigstens ab und zu und sich und der kleinen Tochter auch helfen lassen. 
Und wieder einmal ist es so weit! Von irgendwoher ist ein Verwandter aufgetaucht, von dem wir viele Jahre nie was gehört haben und dann steht er bei uns am Tor mit einem Brief vom „Probation“. Ohne mit uns zu reden hat die Behörde dieser Person, nur aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses die Erlaubnis gegeben, dieses Kind mitzunehmen. Und wir, wir können nur hoffen und beten und schnell noch die Lieblingssuppe kochen zum Abschied.
Das ganze Jahr über fallen Blätter, kein Wunder dass das Kehren zu den Lieblingsbeschäftigungen in Sri Lanka zählt. Wir freilich zünden das Laub nicht einfach an, sondern kompostieren es. Vorher freilich nimmt Dilakshi noch ein Bad in einem Meer aus Blättern, weil Helfen im Garten soll auch Spaß machen.
Hinter den sieben Bergen... Koslanda ist noch weiter weg, viel weiter! Und trotzdem verirren sich immer mal wieder Besucher hierher, nicht zuletzt wegen den 7 x 14 Zwergen, pardon Kindern, die da Zuhause sind. Ende August kommt der neue Dompfarrer von Eichstätt ins Kinderdorf, um dem exotischen Sohn seiner Gemeinde Michael und seinen Schützlingen einen Besuch abzustatten. Da gibt es für den Kaplan viel zu staunen, nicht nur, aber auch im mehr als 1000 Jahre alten Höhlentempel im Kinderdorf. Am Meisten aber, so der christliche Pfarrer, habe ihn das Lachen der Kinder hier begeistert.
Und dann brennt es wieder, wie jeden August, diesmal aber gleich an drei Seiten im Kinderdorf. Und da es seit 3 Monaten kaum geregnet hat sind die meterhohen Flammen in Minutenschnelle unkontrollierbar. Es ist Sonntagnachmittag Ende August, keine Arbeiter sind die, die uns helfen könnten. Michael Kreitmeir, einige Betreuerinnen und ein paar ältere Kinder sind machtlos und können nur versuchen, das übergreifen der Flammen auf die Kinderhäuser zu verhindern. Und wieder war es Brandstiftung aus Neid auf Kinder, die in einem Kinderheim glücklich sind anstatt dort, wie im Land üblich, schmutzige und armselige Bittsteller zu sein.
Geburtstag im Dreierpack am 18. September. Als 2 x Michael und 1 x Robin zum ersten Mal gemeinsam Geburtstag feierten, 2003, da konnte der große Michael den kleinen und seinen Zwillingsbruder noch auf einem Arm halten. 15 Jahre später lässt er das lieber bleiben. Der Freude beim gemeinsamen Fest mit der ganzen Little Smile Familie tut das keinen Abbruch. Und wie wird das wohl in 15 Jahren sein, denkt der große Michael. 
Einen Tag nach seinem Geburtstag muss Michael Kreitmeir zum letzten Mal vor Gericht erscheinen, dann ist der Spuk zu Ende. Zwei Jahre versuchte die für Kinderheime zuständige Behörde, das Probation,  ihn einzuschüchtern, ihn auf Linie zu bringen. Respektvoller Umgang mit Kindern und Betreuerinnen gehört nicht zu dieser Linie, auch nicht ernsthafte Sorge für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Am Ende freilich gab es rein gar nichts, was die Behörde Kreitmeir und Little Smile vorwerfe konnten, im Gegenteil. Kreitmeir nützte die Chance, um vor Gericht deutlich zu machen, worum es ihm und Little Smile geht, nämlich genau um diese Kinder. Der verantwortliche Beamte wurde von seinen Aufgaben für Little Smile entbunden und der Prozess eingestellt, ohne Angaben von Gründen, also genau so, wie er auch begonnen hatte. 
Manju die Betreuerin im Moonlight Haus und die Auszubildende Nadeesha habe es endlich geschafft, vielmehr die von den beiden betreuten Hühner: Die Eierflaute hat ein Ende! Zugegeben, die größten sind es nicht, aber aller Anfang ist schwer und es war ganz sicher nicht leicht für die zwei unsere Hühner so lange zu beschützen. Die Freiheit im Garten rumlaufen zu dürfen hat hier nämlich eine Kehrseite, eine gefährliche. Immer wieder verschwinden Hühner aber auch Enten und Truthähne mehr oder weniger spurlos. Verwilderte Hunde, Raubvögel, Wildkatzen, Würge- und Giftschlangen. Man hat’s nicht leicht als Huhn und auch nicht als diejenigen, die für das Federvieh verantwortlich sind.
Abi ist nicht die Schnellste, nicht im Sport und auch nicht, wenn es darum geht, die richtigen Antworten in der Schule parat zu haben. Und so gibt es bei den schulischen Noten noch viel Platz nach oben, sehr viel Platz. Im Gegensatz zur Beurteilung der Lehrer in der staatlichen Schule ist für uns Abi aber weder dumm noch faul. Ihre Begabungen und Interessen liegen halt woanders und es ist unsere Aufgabe zu entdecken, wie wir das Mädchen fordern und fördern können.
2020 soll im Kinderdorf der Unterricht an der INTERNATIONALEN LITTLE SMILE ACADEMY beginnen, bis dahin muss freilich noch einiges passieren, auch bautechnisch. Am Eingang des Dorfes wird Ende August am neuen Büro gebaut, während weiter unten das zweite Schulgebäude des Dorfes langsam aber sicher in den Himmel wächst. Nichts bleibt wie es ist. Wer täglich mit so vielen Kindern lebt und arbeitet in einer sich rasend schnell verändernden Welt, der kann davon mehr als nur ein Lied singen. Wer nicht hinterher rennen will, der muss aktiv bleiben, die Veränderung frühzeitig gestalten, nicht nur aber zuweilen auch mit Zement und Baustahl.