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Phase 69: Oktober bis Dezember 2016

Völlig überraschend war unser Wächter, den hier alle nur Onkel nannten, Anfang November an einem Infarkt gestorben, während er hier Dienst tat. Fast genau fünf Jahre konnten wir uns immer auf ihn verlassen. Für viele der Kinder gehörte er einfach dazu, war jeden Tag, freundlich lächelnd am Tor. Entsprechend groß war die Bestürzung und Trauer. Einen Tag nach seinem Tod versammelten wir uns alle in seinem Wächterpavillon zu einem gemeinsamen Gebet in drei Religionen.
Wer in und mit der Natur lebt wie wir im Kinderdorf Mahagedara, für den ist der Tod nichts Fremdes, Entferntes, sondern Teil des täglichen Lebens. Wildkatzen, Warane, Schlangen besonders aber auch streunende Hunde bedrohen das Leben der kleineren Tiere. Mitte Oktober hat ein Hund vor den Augen der entsetzten Kinder die Entenmutter „Beauty“, die todesmutig ihre vier Kleinen verteidigte, zerfleischt. Da sich Hunde in Sri Lanka weitgehend unkontrolliert vermehren stellen sie mehr und mehr eine Bedrohung für die letzten freilebenden Tiere dar.
Für die zu Waisen gewordenen vier Entenkinder wurden schnell im Wisdomhaus Ersatzmamas gefunden. Voller Begeisterung wurde da gestreichelt und mitgeschnattert, nachdem man die Mama feierlich in unserem Tierfriedhof begraben hatte. Die tägliche Sorge freilich bleibt dann doch wieder an der Betreuerin Dilhani hängen. Und Lokuthaththa versprach, das Kinderdorf noch mehr als bisher vor streunenden Hunden zu schützen.
Wenn eine Frau mit sechs Kindern plötzlich Zuflucht braucht gibt es nicht viele Einrichtungen, die auf die entsprechende Anfrage des Gerichts ohne Wenn und Aber JA sagen. Einfach ist das freilich auch für uns nicht, aber die wirklich wertvollen und wichtigen Dinge im Leben sind selten leicht.
Bevor im November der große Prüfungsstress ausbricht will  die tamilische Schule in Koslanda zeigen, dass man im Schuljahr 2016 auch handwerklich und künstlerisch etwas geschafft hat. Und weil fast fünfzig unserer Kinder diese Schule besuchen, bewundern auch Michael Kreitmeir und die Betreuerinnen die Kunstwerke in der großen Schulausstellung.
Immer wieder taucht Michael Kreitmeir in einem der Kinderheime auf, die von Little Smile unterstützt werden. Er bringt dann Zeit und Geduld mit, hört sich die Wünsche und Sorgen der Betreuer und der Kinder an, wie hier im Child Development Center in Monaragala und er nimmt die Probleme, von denen es immer eine Menge gibt, sehr ernst. Wie in allen Kinderheimen war und ist es auch in den von Little Smile finanzierten Heimen sehr schwer, motiviertes und qualifiziertes Personal zu finden. Die Arbeit mit Kindern ist kein Job wie jeder andere, erfordert unendlich viel Verständnis, Geduld, Frustrationstoleranz und ganz besonders Liebe.
Ein guter Morgen! Nichts ist schöner als ein Sonnenaufgang am Sonntag, wenn die Kinder nicht zur Schule müssen und vor dem gemeinsamen Frühstück noch etwas Zeit haben. Es ist noch kühl, also unter 30 Grad und da macht das Spielen und Toben noch mehr Spaß, besonders wenn man damit die Anka im Mainhaus aus dem Bett schmeißen kann. Aber böse sein kann man einfach nicht, wenn man ihre Freude sieht, also am Besten einfach mitlachen und mitspielen.
Besonders für unser tamilischen Mädchen ist der Schulweg mit fast fünf Kilometern recht lang. Gut, dass seit vier Jahren das Kinderdorf seinen eigenen Bus hat, nicht dass man schon, wie so viele Kinder im Land, in der Dunkelheit starten muss und bereits müde in der Schule ankommt. Mit dem Little Smile Bus, ohne drängen und drücken, ohne rempeln und schimpfen, sondern mit einem Lächeln in den Schulalltag starten dürfen, so lässt sich das, was dann kommt, leichter aushalten.
Vom ersten Tag an war es das große Anliegen von Michael Kreitmeir in Little Smile Respekt, Achtung und Toleranz vorzuleben, allen Rassen und Religionen gegenüber. Mehr noch: In den Einrichtungen von Little Smile wird Toleranz jeden Tag praktiziert, weil Tamilen und Singhalesen, Buddhisten, Hindus und Christen als eine große Familie zusammenleben, zusammen lernen und zusammen beten. Und was hier im Kleinen so gut klappt, warum sollte das draußen unmöglich sein?
Jeden Vollmondtag geht es nun auch für die Mädchen aus Mahagedara hoch auf den Berg, da wo in Hill Top unsere Buben leben und der Hindutempel von Little Smile steht. Dieser Trip ist in Mahagedara sehr beliebt und da oben macht auch den Nichthindus das rituelle Feiern mit dem alten Sami Freude. Jeden Tag kommen hier die Buben mit Bawani zusammen, drei Mal in der Woche und natürlich an den hinduistischen Festtagen kommt auch der Hindupriester.
Für den Bischof von Badulla beginnt Ende November bereits die Zeit der weihnachtlichen Feste, denn er will in allen seinen Einrichtungen und Gemeinden mit den Gläubigen gemeinsam das Fest der Geburt des Erlösers feiern. Und weil auch einige der Kinder im Heim von St. Ursula, dem ältesten Kinderheim der UVA Provinz in den Schulferien heimfahren werden, die aber auch Weihnachten feiern sollen und zwar mit ihrem Bischof und mit Michael Kreitmeir, findet die Weihnachtsfeier 2016 in Ursula bereits Ende November statt. Little Smile finanziert auch dieses Kinderheim.
Am 11. Dezember feierten alle in Little Smile den 90. Geburtstag unserer Oma, also der Mutter von Lokuthaththa Maria Kreitmeir. Schon am Morgen hatten sich die Kinder in Schale geworfen, man hatte ja Zeit in den Dezemberferien. Vor dem Mainhaus war alles feierlich mit zahllosen Blumen aus dem Garten geschmückt worden, auch mit Rosen, die die Oma ja ganz besonders liebt. Und weil man zu so einem besonderen Geburtstag auch ein besonderes Geschenk braucht, bekam unsere Oma an diesem Tag eine neue Urne, die ihr von Christina, ihrer Nichte, geschenkt worden ist. Kaum zu glauben, wie lebendig jemand sein kann, der vor mehr als 10 Jahren gestorben ist.
Wie gut, dass Anka daheim bei ihrer Mutter gelernt hat, wie man Plätzchen bäckt. Und so duftet es einfach nur herrlich in der Küche des Mainhauses. Spitzbuben und Spritzgebäck, da kommen weihnachtliche Gefühle auf. Und mit Begeisterung sind die Mädchen dabei, besonders weil man die Verunglückten, die zu braun sind oder abgebrochen, dann gleich nach dem Backen aussortieren und essen darf. Ob Kinder wie Santhiya, Chamilla oder Dinuka diese deutsche Tradition einmal in Sri Lanka fortsetzen werden?

Das Christkind war fast einen Kilometer hochgetragen worden von der Marienkapelle bis zum Mainhaus. Hier gab es eine große Überraschung als einer der Bäume plötzlich durch hunderte von kleinen bunten Lichtern festlich erstrahlte. Es ist 16 Jahre her, dass wir Weihnachten im Mainhaus gefeiert haben, 2016 war es wieder so weit. Und es war einfach nur schön, weil weihnachtlicher geht nicht mehr (siehe auch Weihnachten in Little Smile).

Der absolute Höhepunkt, nicht nur aber ganz besonders für unsere Kleinen nach dem gemeinsamen Beten, Singen, nach Krippenspiel und Bescherung war, als das süße Zusatzgeschenk kam, die Süßigkeitenbombe platzte.  Sich einmal bis an die Grenze des Möglichen mit Süßem vollstopfen, Kinderherz was willst du mehr? Absolut unglaublich, was unsere Zwerge da so alles in sich reinschlichten und was ihr Magen verträgt.
Am 1. Weihnachtstag gab es dann viel Besuch im Kinderdorf. Auch die Lehrer und Schüler aus unserem Ayurveda Schulkrankenhaus in Buttala ließen es sich nicht nehmen und besuchten Lokuthaththa und Mahagedara, das Herz der Little Smile Familie. Hier hat ja auch die junge Leiterin von Buttala, Saradha gelebt und gelernt, hier war ihr Zuhause und hierher kommt sie an jedem besonderen Feiertag, um zu zeigen: Ich vergesse nie, was ich hier bekommen habe.
Das Licht der Heiligen Nacht gerade in stürmischen Zeiten schützen und die Botschaft von Weihnachten weitertragen, auch ins Neue Jahr. Der Sohn Gottes sah ganz anders aus als es die Menschen erwartet hatten. Und als er kam war in den Häusern und den meisten Herzen kein Platz für ihn. Den Schutzlosen, den Schwachen mehr als nur Zuflucht gewähren, sie annehmen so wie sie sind, egal welcher Rasse und Hautfarbe sie angehören, denn: „Was du dem Geringsten deiner Brüder und Schwestern getan hast, das hast du mir getan.“
An Silvester wurde ein großes Lagerfeuer angezündet, Kinder und Betreuer sind um die Flammen getanzt und haben das alte, gar nicht so einfache 2016 verabschiedet. Es gab gute und auch sehr schwierige Momente, aber was wirklich zählt: Niemand aus der großen Little Smile Familie kam ums Leben, selbst unser Opa im fernen Deutschland Hermann-Josef Kreitmeir wird 4,5 Stunden nach den Kindern im Bergurwald Sri Lankas das neue Jahr begrüßen können. Es gab also viele Gründe dankbar zu sein und froh, also wurde gefeiert und das machte richtig Spaß am Lagerfeuer und zwar ohne einen Tropfen Alkohol.